Montag, 21. Dezember 2009
Mensch
Wenn alles, was ich wahrnehme nur deshalb für mich existiert, weil ich es wahrnehme, was passiert dann mit den Dingen, wenn ich meine Fähigkeit wahrzunehmen einbüße?(Logischer Fehler: Wenn ein Mensch die Fähigkeit zu sehen verliert, nimmt er die gleichen Dinge wahr, eben nur nicht mehr über die Augen. Trotzdem er die Fähigkeit der Wahrnehmung über die Augen verloren hat, gibt es den Gegenstand noch, er existiert also nicht, weil ich ihn wahrnehme) Sind sie dann immernoch da? Oder bin ich, demzufolge, das Maß aller Existenz? Wenn dem so ist, muss mein Leben einen unglaublich wichtigen Sinn haben, denn ohne mich existierten all diese Dinge ja nicht. Kann mir überhaupt das Ausmaß dieser Aussage bewusst sein? Kann ich überhaupt diese Verantwortung tragen? Oder geht es dabei nicht um mich als Existierender, sondern um das Existieren allgemein? Also darum, dass überhaupt jemand existiert, um all die Dinge und die anderen Existierenden wahrzunehmen, denn ohne ein anderes Existieren wären auch sie nicht existent? D.h. banal gespochen, wären die Menschen ohne die Menschen keine Menschen. (Wobei der Mensch dem Menschen eh ein Wolf ist nach Berkeley)
Wie definiere ich dann aber Mensch? Eine Form der Existenz, dass sich aus Physik und Metaphysik zusammensetzt, welches nur Mensch ist, wenn es unter Menschen ist. Wäre ein Mensch ohne Menschen ein Tier? Soziologisch ergäbe das Sinn, denn der Mensch, so völlig alleinstehend auf der Welt unter all den Nicht-Menschen, Tieren also und Natur, und weiteren unerkannten Einheiten, würde sich durch die Spezies, die ihm am nächsten ist, sozialisieren lassen... Aber halt! Wie kommt der Mensch darauf, sich sozialisieren zu lassen? Ist ihm das "gottgegeben"? Ist der Mensch, auch wenn es auf der Erde nur einen gäbe, nicht imstande allein zu sein mit sich? Und sucht durch die Sozialisation, die er an sich durchführen lässt, die Nähe zu anderen... Lebewesen? Oder kann es vielleicht sein, dass der Mensch, so wenig imstande er ist, sich nicht sozialisieren zu lassen, bzw. mit sich selbst allein zu sein, ständig nach der Gesellschaft anderer, ihm am besten ähnlicher, wenn nicht gleicher Spezies, strebt, um Beweise für seine eigene Existenz zu haben? Liegt das vielleicht daran, dass seine Psyche so labil ist? Wenn sie also so labil ist und davon abhängig ist, wahrgenommen zu werden, d.h. wir folglich voneinander abhängig sind, das evtl. wissen, warum geben wir uns diese Wahrnehmung dann nicht? Oder versinken wir lieber im Selbstmitleid, der stärksten aller emotional verklärten Selbstwahrnehmungsmethoden und beobachten nur uns selbst und leiden und leiden... vielleicht hilft es, aufzuwachen, sich als erster zu entblößen und sein Gegenüber anzuschauen. Wahrzunehmen. Sich selbst loszulassen.
Dann geben wir den anderen, was sie brauchen... Oder? Wahrnehmung ist das, was jeder Mensch braucht, Liebe ist, was jeder Mensch will, aber die Menschen lieben nur denjenigen zurück, der einen nicht gleich wahrnimmt, wie man selbst den Geliebten wahrnimmt. Arrogante, unerreichbare Menschen werden zum Objekt der Begierde. Was will ich mit dem Zeug das hier verschachert wird? denkt sich der Mensch und will Gucci. Wäre es nicht einfach seinen eigenen Willen dahingehend umzuleiten, denjenigen zu wollen, der einen wahrnimmt? Denjenigen wahrzunehmen, der einen will?
Warum schafft es der Mensch als Masse nicht glücklich zu werden?

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Sonntag, 25. Mai 2008
Denken
Wie sehr kann man etwas wollen, dass man nicht wagt zu fordern? Wie sehr begehrt man Veränderung, wenn man sie zu sehr fürchtet, um sie zu beginnen? Wir müssen aussprechen, was wir denken, damit unsere Gedanken fruchtbar werden. Das sind wir unseren Gedanken, unserem Wissen, unserer Gemeinschaft, Gesellschaft und uns selbst schuldig. Was für ein Leben soll es sonst werden, wenn wir uns lediglich vor einen Karren spannen lassen, der längst veraltet ist? Nein, heute sitzen wir lieber griesgrämig und bequem auf unseren Fernsehsesseln und motzen über die Veränderungen, die an uns getan werden, die wir uns nicht ausgesucht haben, die wir nicht befürworten. Aber warum sprechen wir uns nicht dagegen aus? Was hält uns denn davon ab? Bequemlichkeit? Wird die Bequemlichkeit, für die Generationen vor uns gearbeitet haben schließlich zu unserem Joch? Bricht alles um uns herum zusammen, weil wir uns zufrieden ins gemachte Nest gesetzt haben, nie gelernt haben zu widersprechen und schon beginnen uns benebeln zu lassen vom Wohlstand einer ganzen Generation? Eines ganzen Kontinents? Einer Welt heute, in der wir leben, manchmal nicht leben lassen "wollen" oder können, die komplett ihre Vernunft und Sprache verloren hat? Sind alle Vorbilder gestorben, ausgetauscht durch schöne leblose Hüllen von Menschen, die etwas symbolisieren, was uns früher mal bewegt hat? Und nun lassen wir nicht mehr zu, dass uns etwas bewegt? Nun wollen wir auch nicht mehr bewegt werden? Der Geist erstarrt völlig, wenn man ihn nicht bewegt, nicht selbstständig denkt und sich immer wieder in die passive Opferrolle hineinwirft, sich darin suhlt. Man vergeht daran, wenn man ein Leben lang stumm bleibt, wird belanglos und nicht erinnernswert. Was also soll sich ändern in unserem Leben? Manches muss jeder für sich selbst beschliessen und an sich selbst ändern, aber dann müssen wir überlegen, was wir gemeinsam erreichen wollen. Was uns alle betrifft, gemeinsame Ziele formulieren.
Eine ungelebte Demokratie ist eine Diktatur durch eine engagierte Minderheit.
Einige von uns dachten, wir hätten dies endlich überwunden und verstanden, dass man, auch wenn es nicht immer bequem ist, immer und immer wieder dagegen ankämpfen muss, dass es eines Tages soweit kommt, bzw irgendwo anders so bleibt. Irgendwo ist für irgendjemand eine Heimat und in der Gemeinsamkeit einer Generation sollte es keinen Irgendjemanden geben.
Natürlich wird es unbequem, unangenehm, steinig, lang und schwer, aber das sollte es immer wert sein, denn es geht um uns, um unsere Gegenwart, unsere Zukunft, unsere Kinder, unsere Welt, unsere Heimat.
Jeder Mensch hat die Pflicht, von seiner eigenen Stimme Gebrauch zu machen und wir gemeinsam haben die Pflicht für diejenigen zu sprechen, die nicht oder nicht mehr sprechen können.
Schweigend alles hinnehmen führt zu nichts, aussprechen, was unangenehm ist, ist der erste Weg zur Änderung. Jeder ist es sich selbst schuldig, zu formulieren, was oder wie er es haben möchte. Manche Meinungen sind unbeliebt, aber sie sind es trotzdem wert, ausgesprochen zu werden, allein deshalb, um aus der Lethargie aufzuwachen, die uns behindert, eine Zukunft zu haben.
Jeder einzelne von uns muss sich also überlegen: Was will ich? Und wenn wir es wissen, müssen wir es miteinander kommunizieren und feststellen, dass wir nicht alleine sind, um selbstbewusst und mächtig genug zu sein, um dafür auch zu kämpfen.
Niemand braucht jemand anderen, der einem sagt, was man will, wir müssen dringend lernen zu wollen, zu fordern, zu kämpfen, wo es sinnvoll ist.

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